Mirjam. Maria Magdalena und Jesus - Roman
Frankfurter Rundschau, Pfingsten 1999, 22.-24.5.1999:
"Eine Liebesgeschichte also. Der Erzählerin geht es in der breit angelegten, aber kurzweiligen Geschichte nicht um historische Ausdeutung oder falsche Aktualisierung der spärlichen historischen Zeugnisse, sondern um das beziehungsreiche Wechselspiel zwischen Einst und Jetzt. Berlinghof tut das geschickt und mit Stilempfinden, und sie eröffnet neue Sichtweisen auf vermeintlich allzu Bekanntes."
"Regina Berlinghof: Mirjam
Ja, die Sache mit Jesus. Wie viele Traktätchen- und Romanautoren von Wallaces Ben Hur bis hin zu Walter Jens' Der Fall Judas haben sich mit ihr beschäftigt, die Berichte der Evangelisten und der Apostelgeschichte als Steinbruch für die Entwürfe eigener Visionen genutzt? Daß der Einfluß der theologischen Literaturkritik auf die Autor(innen) sogenannter "christlicher Literatur" zunehmend bedeutungslos geworden ist, läßt sich auch an Regina Berlinghofs Jesusroman Mirjam ablesen. Maria aus Magdala steht hier im Mittelpunkt, die Hure, die Geliebte des Rav Jeschua, der für den Messias gehalten wird.
Eine Liebesgeschichte also. Der Erzählerin geht es in der breit angelegten, aber kurzweiligen Geschichte nicht um historische Ausdeutung oder falsche Aktualisierung der spärlichen historischen Zeugnisse (wenngleich sie sich auf Flavius Josephus' Geschichtsschreibung stützt), sondern um das beziehungsreiche Wechselspiel zwischen Einst und Jetzt: Die Autorin rückt, den Jesus von Nazaret und den Christus im Kostüm der Zeit, das Nahe und das Ferne also, das Vertraute und das ganz Andere ins Zentrum. Berlinghof tut das geschickt und mit Stilempfinden, und sie eröffnet neue Sichtweisen auf vermeintlich allzu Bekanntes.
Der Roman und insbesondere seine Protagonisten
Jesus, Maria, Judas, Pilatus stehen im klaren Widerspruch zur heilsgeschichtlichen
Tradition des Neuen Testaments. Aber Berlinghof erweist sich als Erinnerungskünstlerin:
Die Wirklichkeit von heute ("Mirjam" ist in eine aktuelle Rahmenhandlung
gebettet) wird im Modus der Erinnerung ausgedeutet. Schriftsteller(innen)
in ihrem Anliegen hier aber ernst zu nehmen, birgt eine wirkliche Chance.
Zu der es der Erinnerung an die gegenseitige kritische Herausforderung
bedarf, der Literatur und Theologie sich zu stellen haben.
Regina Berlinghof: Mirjam. Maria Magdalena und Jesus, Eschborn 1997, 550 Seiten, 48 Mark. |
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