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Monument Valley

Mittwoch, 21. Juni 2000, 5.05 Uhr (6.06 Navajozeit), Monument Valley

Eben ist die Sonne aufgegangen. Das rosige Licht streicht über diese Seiten, und ich kann schon nicht mehr zur Sonne blicken, weil sie blendet.
"This is the land where earth reaches to heaven
and heaven embraces earth in joyful love.
Sun and moon and all the stars beaming
to enlighten man and woman on their path."

In diesem Licht werfen winzige Steine bedeutende Schatten, jedes Sandkorn hat seinen Platz. In diesem Licht sieht man die kleinen Spuren von Tieren im Sand, wer weiß, wer sie waren. Diesen Morgen werde ich wieder ins Tal fahren, die Sand- und Felspiste "durchschwimmen" und Wiedersehen mit Fels und Sand und Himmel feiern.
 
 

Mittwoch, 21. Juni 2000, 12.05 Uhr (13.06 Navajozeit), Monument Valley, im Tal

Ich habe meinen alten Trail und den großen, schattenspendenden Felsen wiedergefunden. Der Blick geht weit nach Norden. Die Luft ist heute so klar, daß ich die gezackten Bänder und Schichten der San Juan Mountains erkennen kann. Bei den Schmuckständen der Navajos, die hier bei allen Aussichtspunkten aufgestellt sind, habe ich auch das ältere Ehepaar wiedergetroffen, mit dem ich mich beim letzten Mal öfters unterhalten hatte. Auch sie haben mich wiedererkannt. Wir kommen ins Gespräch, das diesmal seltsam fern und höflich bleibt. Die Frau fragt mich wieder nach meiner Familie. Wieder sage ich, daß ich geschieden bin, keine Kinder habe. Sie spuckt aus, als wolle einen bösen Geist verjagen. Mit Einzelgängern scheinen Navajos nicht viel anfangen zu können. Nach ein paar Höflichkeitsfloskeln gehe ich weiter. Zum ersten Mal habe ich offenes Wasser in Monument Valley gesehen. Ein, zwei Tage vorher muß es geregnet haben. Der Sandboden ist schwer und feucht, ein paar Pfützen gibt es noch. Nur die oberste Schicht des roten Sandes ist in der Sonne schon wieder zu Puder getrocknet. Beim John-Ford-Aussichtspunkt paradiert ein älterer Navajo auf einem Rappen. Er selbst trägt ein leuchtend rotes Hemd, und einen weißen Hut zu der schwarzen Hose. Die Touristengruppen von Gouldings Lodge sind entzückt und fotografieren ihn vorne auf der Klippe. Ein Bild, wie man es von Wildwestfilmen kennt. Und trotz des inneren Lächelns verfehlt es vor der grandiosen Landschaft nicht seine Wirkung. Die Felsklötze, die sich so locker in der Weite der Ebene ausbreiten, die kurvige Sandpiste unten, auf der John Ford die Verfolgungsjagd von Stagecoach ("Ringo") inszenierte - und vorne auf der Klippe als winzig kleine Figur der Indianer auf seinem Pferd.
 
 

Mittwoch, 21. Juni 2000, 19.45 Uhr (20.45 Navajozeit), Monument Valley, Sonnenuntergang

Am Nachmittag bin ich zu Gouldings Campground gefahren. Ich habe einen Berg von Schmutzwäsche dabei, die ich im Laundromat waschen will. Als ich zum Campground komme, fällt mir als erstes auf, daß dieses Jahr sind keine Tipis aufgestellt sind. Schade. Sie waren so malerisch. Und noch schöner, um drin zu schlafen. In den Tipis vor vier und zwei Jahren hatte ich seit langem wieder mit freiem Himmel über mir geschlafen. Denn oben in der Mitte, wo die Stangen des Tipis zusammenkommen, bleibt eine runde Öffnung. So hatte ich nachts die Sterne und bei einem Rundgang die Milchstraße wiederentdeckt. Im Laden, wo ich wieder Quarters für die Automaten wechsle, finde ich kleine Holzflöten. Ich kaufe eine, spiele ein bißchen. Nach dem Einladen der Wäsche dusche ich, lade die Wäsche in die Tumbler, fahre noch ein bißchen in den Canyon, suche mir ein ruhiges Plätzchen und probiere die Flöte aus. Schön! Ich komme etwas später zurück. Zwei Frauen sind im Waschraum, haben meine Wäsche schon aus den Tumblern geräumt, weil sie Platz brauchten. Damit hatte ich nicht gerechnet. Als ich mit dem Waschen und Trocknen anfing, war ich die einzige, und alle Maschinen waren leer. So glaubte ich, daß es auf die eine oder andere Minute nicht ankäme. 

Auf der Rückfahrt zum Navajocampground gibt es an der Straßenkreuzung der Landstraße ein hübsches Bild: auf dem Sportplatz der Monument Valley Highschool grasen Schafe und Ziegen.

Moderne, umweltschonenende Rasenpflege! Von der Straße ist es zu weit zum Fotografieren. Ich fahre ein Stück zurück, biege zur Highschool ein. Vom Parkplatz kommt man zum Sportplatz. Ich bleibe am Rand der Aschenbahn. Die Herde zieht langsam über den Rasen. Am Rand entdecke ich einen Hund. Ganz in meiner Nähe noch diesseits der Aschenbahn weidet einsam und allein ein Ziegenbock. Spät und nur langsam folgt er der Herde. Im Hintergrund immer die roten Felsskulpturen von Monument Valley!

Ich habe für diese und die drei folgenden Nächte Platz 24 auf dem Campground, direkt gegenüber den Mittens bekommen. 1998 war es Platz 25, aber der war mir zu nahe an den Gruppenplätzen. Nr. 24 ist ganz vorne - und der letzte in der Reihe. Auf meinem alten Platz gegenüber hat sich ein Fotograf aus China, wie ich später mitbekomme, mit Stativ und Handy plaziert. Drei Mädchen von einem Gruppenplatz haben ihn angesteuert und verwickeln ihn in ein Gespräch. Derweilen geht die Sonne dramatisch unter: die vielen Wolken verwandeln sich in alle Farben, ein Teil bleibt schwer und dunkelgrau - aber dann gelb, rot, purpur, lila. Nach Westen hin, zur Sonne selbst, heben sich die Bauten des Campgrounds als zarte Silhouetten gegen den Farbenhimmel ab. Der Fotograf gegenüber schwatzt laut, stört mich und belustigt mich, weil er vor Schwatzen nicht zum Fotografieren kommt. Als die Sonne (und die Mädchen) schon fast verschwunden sind, rast er los und macht wie ich ein paar Aufnahmen. Auch diesen Abend schlägt jemand die Trommel. Und die Vögel singen, erste Fledermäuse durchstreifen die anbrechende Dämmerung.

Ich habe mir im Gouldings Camp am Nachmittag eine Flöte gekauft und Wäsche gewaschen. Heute ist es eine Woche seit dem Abflug! Vorher war ich noch nach Kayenta gedüst und habe mir dort einen Campingstuhl gekauft. Wie ein Regisseurstuhl: vier Stangen, zwischen denen der Stoff von Sitz und Lehne hängt. Die vier Stangen kann man nach innen schieben, so daß der Stuhl nur noch ein schmales längliches Paket ist. Das Sitzen in der Natur ist zwar schön - aber nicht unbedingt das längere Sitzen im Sand oder auf dem harten Fels. 
 
 

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